Wie alles begann...

1993 fing alles damit an, dass ich meinen ersten Winnetou-Roman schrieb. Meine Tochter Corinna liebte es, wenn ich ihm beim Zubettgehen Geschichten erzählte. Da ich damals aber beruflich viel unterwegs sein musste, habe ich mit dem Buch aus der Not eine Tugend gemacht und die ausgedachte Geschichte gleich noch im Heimstudio auf 5 Audiokassetten gesprochen. So waren einige vaterlose Abende gerettet.

Ein weiterer Beweggrund war für mich aber auch, dass mir - mit Unmut - aufgefallen war, dass sich zu den internationalen Romanheldengestalten längst eine Vielzahl von Autoren aufgemacht hatte, neue Geschichten zu erfinden, sei es nun Sherlock Holmes, Tarzan, James Bond, Indiana Jones, Raumsschiff Enterprise etc. Zu den größten Heldengestalten aus deutscher Feder gab es aber so gut wie nichts - nicht einmal 80 Jahre nach dem Tod des Maysters. So brachte ich DIE JAGD DES OLD SHATTERHAND im Sommer 1994 auf den Markt und war überrascht, wie viele Freunde das Werk schnell fand. So bekam der erste Roman noch im gleichen Jahr einen Nachfolger, der nächste auch, der übernächste auch, der... ach jetzt reicht's!

Gerade die Möglichkeit Indianistik und amerikanische Geschichte aufzubereiten, verblüffende Tatsachen einzubauen, die mir auch erst beim Quellenstudium aufgefallen sind, und das gepaart mit einem märchenhaften Erzählstil, bieten einen breiten Raum für schöne, spannende Geschichten.

Gleichzeitig gibt es mir die Möglichkeit etwas über Indianerstämme zu erzählen, die bei uns wenig bis gar nicht bekannt sind. Durch umfangreiches, heute leicht zugängliches Forschungsmaterial ist es für mich im 21. Jahrhundert natürlich auch leichter, geschichtlich exakter zu berichten, als Karl May das oftmals bei seinen Möglichkeiten konnte, wenn dies für mich auch so manchen Spagat bedeutet, da Karl May schließlich nicht chronologisch geschrieben hat, sondern immer mal wieder Figuren hervorgeholt hat, was zeitlich mitunter fragwürdig erscheint. Aber es handelt sich ja schließlich um fiktive Romanfiguren und nicht um eine Biographie, da darf man das nicht so verbissen sehen.

1999 habe ich dann mit Nicolas Finke (Karl May & Co.) aus Köln (nun Nünchen) das Buch KARL MAY AM KALKBERG im Karl May Verlag veröffentlicht. Seit 1996 hatten wir mit graphischer und layout-technischer Unterstützung von Regina Arentz und Torsten Greis an diesem umfangreichen Nachschlagewerk gearbeitet, das die Geschichte und Geschichten der Karl May Spiele in Bad Segeberg seit 1952 bis in die Neuzeit beleuchtet. Für Freunde der Freilichtbühne ist das immer noch das Nachschlagewerk überhaupt. Vor allem freue ich mich über einige Interviews, die wir mit Stars der Spiele geführt haben, die leider zum Teil heute gar nicht mehr möglich wären. Im Jahr 2001 folgte dann zu dem Buch eine erste Update-Broschüre über die Spielzeiten seit 1999, in 2004 die zweite für die Zeit von 2001 bis 2004.

Im Jahr der Kalkbergbuch-Veröffentlichung fing ich auch mit Jutta Laroche aus Recklinghausen an, eine weitere Reihe mit Winnetou-Geschichten zu veröffentlichen: WINNETOUS TESTAMENT. Jutta schreibt hierbei Winnetous Part in der Ich-Form und ich den Old Shatterhand-Teil. Die Reihe ist auf insgesamt 8 Bände konzipiert und erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit.

2008 folgte dann das Buch "Am Fuße des Kalkbergs" über die Karl-May-Spiele in den 80er Jahren in Bad Segeberg, ebenfalls wieder von Nikolas und mir geschrieben. 

Ach wer übrigens immer am besten über die Karl May Szene auf dem Laufenden sein will, dem kann ich nur das Fanzine "Karl-May & Co." wärmstens empfehlen. Hier gibt es viermal jährlich alles Wissenswerte zu den Büchern, Filmen, Festspielen, Neuigkeiten rund um Karl May liebevoll und professionell aufbereitet. Und unter der Adresse Karl-May-Magazin im Internet gibt es täglich alle Neuigkeiten in 6 Rubriken!

Und jetzt steht hier so viel, was sich um den "Mayster" in der Szene bewegt, da wird es finde ich Zeit, dass auch ein paar Zeilen über den Schriftsteller selbst folgen:

Karl May - Eine Kurzbiographie

Am 25. Februar 1842 wurde Karl May als fünftes von 14 Kindern einer äußerst armen Weberfamilie in Hohenstein-Ernstthal am Rande des Sächsischen Erzgebirges geboren. Die Märchenerzählungen seiner Großmutter - so schrieb er später selbst - sollen die Fantasie des oft kranken und unter Mangelernährung leidenden Jungen beflügelt haben. Im angestrebten Lehrerberuf scheiterte er wegen geringfügiger Verfehlungen und geriet danach durch psychische Verwirrungen auf die "schiefe Bahn". Hochstapeleien brachten ihm insgesamt acht Jahre Gefängnis bzw. Zuchthaus ein und erst 1874 gelang ihm die Rückkehr ins bürgerliche Leben als Redakteur und Schriftsteller.

Anfangs waren es Heimatnovellen, populärwissenschaftliche Zeitschriftenbeiträge sowie umfangreiche anonyme Kolportageromane, aber sehr bald verlegte sich May auf Reiseerzählungen, die ihn schließlich berühmt machten. Der große Erfolg begann 1892 mit der Buchausgabe der "Gesammelten Reiseerzählungen". 1895 bezog May mit seiner Frau Emma, die er 1880 geheiratet hatte, eine Villa in Radebeul bei Dresden. Es folgten Jahre, in denen May von seinen Lesern wie ein heutiger Popstar hofiert wurde. Er selbst ließ immer weniger Zweifel daran offen, dass er wirklich als Old Shatterhand bzw. Kara ben Nemsi mit seinen Freunden Winnetou und Hadschi Halef Omar Abenteuer in exotischen Ländern bestanden habe.

Nach Mays Orientreise von 1899/1900 begann der Ruhm zu bröckeln. Neben berechtigter literarischer Kritik musste sich der Autor gegen Angriffe von äußerster Gehässigkeit wehren. Seine Vorstrafen wurden an die Öffentlichkeit gezerrt, die unbefugte Wiederveröffentlichung der Kolportageromane ließen ihn als "Jugendverderber" dastehen. Hinzu kamen private Probleme. 1903 ließ May sich von seiner Frau Emma scheiden, im gleichen Jahr heiratete er Klara, die Witwe seines 1901 gestorbenen Freundes Richard Plöhn.

Trotz ständiger Prozesse und Pressefehden gelang es May, in seinen letzten Lebensjahren, ein von Abenteuerhandlungen weitgehend freies Spätwerk zu schaffen. In symbolischen Erzählungen wie "Ardistan und Dschinnistan" entwickelte er seine Utopien vom Völkerfrieden und der Wandlung des "Gewaltmenschen" zum "Edelmenschen". Nach einem umjubelten Vortrag in Wien starb Karl May wenige Tage später am 30. März 1912.